Fragen an den Vorstand der Bayer AG
Hauptversammlung 2016
29. April 2016
7 min Version 1

Geplante Öffnung der alten Bayer Deponie

Sehr geehrte Damen und Herren
Sehr geehrte Damen und Herren Aufsichtsräte und Vorstände der Bayer AG

Mein Name ist Helmut Hesse. Ich bin ein Bauingenieur und wende mich an Sie im Auftrag örtlicher Kleinaktionäre. Diese haben die Sorgen,

  • dass die Bayer AG in einen Umweltskandal gerät und
  • dass ihre Aktien an Wert verlieren, wenn die ehemalige Bayer Deponie Dhünnaue geöffnet wird.

Diese Öffnung ist im Zuge des Autobahnbaus von der Straßenbauverwaltung geplant. Um die Autobahn in der vorgesehenen Form verbreiten zu können, muss der vorhandene Deponiekörper auf beiden Seiten abgeräumt werden und außerdem unter dem neuen Fahrbahnflächen der setzungsempfindliche Abfall gegen tragfähigen Boden ausgetauscht werden.
Ich bitte um Ihre Antworten zu folgenden Fragen:

  1. Wird die Bayer AG eine vorübergehende Öffnung der Deponie zulassen?
  2. Wie sollen die Verträge zwischen der Bayer AG oder ihren Beteiligungsgesellschaften mit der Straßenbauverwaltung so gestaltet werden, dass für Bayer keine Risiken einer Kostenbeteiligung oder von anderen Ansprüchen entstehen?
  3. Ist Ihnen eine technische Alternative bekannt, mit der eine Öffnung der Deponie vermieden werden kann?
  4. Besteht die Möglichkeit, dass die Bayer AG ihre Interessen und ihren Einfluss in die gegenwärtige Phase des Baugenehmigungsverfahrens einbringt.Die ehemalige Bayer Deponie Dhünnaue ist keine gewöhnliche Industriemülldeponie. Sie hat Merkmale, die sie von anderen Deponien unterscheidet:
  • Die Deponie ist extrem groß, angeblich die größte Industriemülldeponie Europas.
  • Die Deponie liegt innerhalb dicht besiedelten Gebietes.
  • Die Ablagerungen sind ungeordnet und bereichsweise hoch giftig.
  • Die Deponie gilt als gesichert.

Die Gefahren, die von einem Eingriff in die Deponie ausgehen, werden von der
Straßenbauverwaltung als extrem hoch angegeben. Aus diesem Grund soll jede Berührung von Menschen mit dem Abfall oder über die Atemluft verhindert werden.

Vergleichbare Arbeiten werden zurzeit in der Schweiz durchgeführt. Die Kosten haben die Milliardengrenze bereits überschritten. Um die Kosten zu tragen haben sich acht Betriebe der Basler Chemischen Industrie zusammengeschlossen.

Auch die Bayer AG hat bereits rund 88 Mio € für die Sicherung der Deponie Dhünnaue aufgewendet. Dafür wurde die Deponie an ihrer Oberfläche abgedichtet und mit einer Dichtwand seitlich umschlossen.

Mit diesen Maßnahmen ist die Bayer AG aus den negativen Schlagzeilen herausgekommen. Das öffentliche Interesse und die Tätigkeit der Vorstände konnten sich anderen Themen zuwenden. Dies wird nicht so bleiben, wenn die Planung der Straßenbauverwaltung genehmigt wurden ist. Aufgrund der Erfahrungen aus der Schweiz muss man mit Kosten von  mehr als 3 bis 5 Milliarden € rechnen.

Noch ist keine Baugenehmigung erteilt. Noch ist nicht geklärt wer die Kosten trägt. Die Entscheidung soll aber noch in diesem Jahr fallen.

Als Alternative zur Öffnung der Deponie ist eine Linienführung im Gespräch bei der der Fernverkehr in Richtungstunneln unter dem Rhein und außerhalb der Deponie hindurchgeführt wird. Die neue Rheinbrücke soll für den regionalen Verkehr sowie für Gefahrguttransporte genutzt werden. Das Autobahndreieck Leverkusen West kann dann in der vorhandenen Lage verbleiben.

Mit dieser Lösung könnte ein Eingriff in die Deponie vermieden werden.
Die funktionierenden Sicherungssysteme könnten erhalten bleiben

Natürlicherweise werden Sie jede Verantwortung der Bayer AG für den Straßenbau von sich weisen. Aber auch die Straßenbauverwaltung hätte gute Gründe die Entsorgungskosten von sich zu weisen. Die Substanzen, die die hohen Kosten verursachen, kommen weitgehend von der Bayer AG.

Das Risiko eines Imageverlustes für die Bayer AG ist einfach nicht zu leugnen.
Das Risiko eines Wertverlustes der Aktien durch extreme Rückstellungen kann aber verhindert werden, wenn der Eingriff in die Deponie verhindert wird.

Dazu wird es aber zunächst notwendig, sich vorurteilsfrei

· mit dem komplexen Sachverhalt zu beschäftigen und anschließend
· mit dem wirtschaftlichen Sachverstand eines Industrieunternehmens bei der
Variantenauswahl für den Autobahnbau mitzuwirken.
·
Dazu sollten die Fragen anregen.

Der weltweite Einsatz für ein besseres Leben getreu ihrem Motto science for a better wold ist ein hohes Ziel für das Unternehmen. Viele Aktionäre fragen sich besorgt, wann Sie Ihr Wissen und Ihr Können für den Erhalt der Gesundheit der Menschen einsetzen, die in der Nähe des Hauptwerks leben.

Ich danke Ihnen für Ihre Aufmerksamkeit
und bitte nun um die Antwort des Vorstands.

gez.
Dipl.-Ing. Helmut Hesse
im Auftrag
örtlicher Kleinaktionäre


Dazu wird in einem kleinen Teil eines Artikels im Kölner Stadtanzeiger folgendes vermerkt:  Komplette Artikel vom 29.04.16, 17:40 Uhr

Zitat:

Kein Konzernproblem

Dekkers teilt die Bedenken nicht. Denn dazu gibt es keinerlei Anlass, zeigt sich eine Dreiviertelstunde später. Weil Bayer den Ausbau der A 1 nicht betreibt und plant, trage der Konzern auch keinerlei Kosten, die daraus resultieren. Den von Straßen NRW geplanten Eingriff in die Altlast „haben wir zu dulden“. Ins laufende Planfeststellungsverfahren habe man sich eingebracht. Und zwar schriftlich. Details nennt Dekkers nicht.