Delitzsch, den 17.07.2016

 

Sehr geehrter Herr Oberbürgermeister Richrath,

sehr geehrte Damen und Herren Abgeordnete des Stadtrates der Stadt  Leverkusen,

sehr geehrte Damen und Herren Redakteure,

sehr geehrte Damen und Herren,

 

erlauben Sie mir bitte eine Nachbetrachtung  zur Anhörung im

„Planfeststellungsverfahren BAB A1 von AS Köln-Niehl bis AK Leverkusen-West und Neubau Rheinbrücke Leverkusen“ vom 04.07. bis 08.07.2016 in Köln-Mülheim.

 

Hier meine Eindrücke zu der präsentierten „Glaubwürdigkeit“ der Planung und zum Planungsverfahren.

 

Der von dem Projektleiter der Planer im vorgeblichen Interesse der anwesenden Einwender und deren Vertreter beantragte Ausschluss der schreibenden Presse nach dem §73 Abs.6 und §68 Abs.1 des Verwaltungsverfahrensgesetzes  war offensichtlich mehr Eigen- als Gemeinnutz. In der fünftägigen Anhörung war danach nur herzlich wenig Entgegenkommen und Kompromissbereitschaft der Planer zu Vorschlägen und Befürchtungen der Einwender vernehmbar.

 

Beginnend im Dezember  2012 mit dem Auftrag des Bundes an die Landesregierung NRW, die Lücke des Kölner Autobahnringes im Raum Leverkusen zu schließen, erfährt die Öffentlichkeit erst mit mehrmonatiger Verspätung im Oktober 2013 von der Existenz eines Verkehrsgutachtens, nach dessen nicht beauftragter ergänzender Stellungnahme zur Lösung  bis heute die Bauabschnitte eins bis drei geplant werden. Die für Laien nicht prüfbare Feststellung dieses Gutachtens, dass in den Stadtteilen Küppersteg und Manfort laut Autobahnrichtlinien keine sinnvolle Tieflage machbar ist, entkräften Leverkusener Ingenieure. Dieselben Ingenieure, die die einzige bis heute existierende Gesamtlösung aller drei Bauabschnitte mit Tieflagen im Stadtgebiet (sog. „kleine“ Tunnel in Küppersteg/ Manfort und Malteserkreuz-Mitte) seit Dezember 2013 bis Einsendeschluss Oktober 2014 allen Beteiligten als Bürgervorschlag bekannt gemacht und zur Verfügung gestellt haben. Dieser Bürgervorschlag wird seitens der Planer und der Bauministerien in Berlin und Düsseldorf bis zum Eröffnungstermin am 04.07.2016 öffentlich totgeschwiegen und zur Anhörung  selbst erstmals, aber in entstellter nicht originalgetreuer Form abgewertet – das wirft auch ein Schlaglicht auf die Vorgehensweise der Antragsteller und findet leider auch Bestätigung im Verlauf der Anhörung:

 

Fakt ist:

Eine sehr frühzeitige Auswahl der Vorzugstrasse über die Giftmülldeponie, die vermutlich bis in das Jahr 2013 zurückgeht, belegt die Tatsache, dass fast ausschließlich Linienführungen mit dem kostenaufwendigen und wenig deponieschonenden vorzeitigen Abbruch und Wiederaufbau des Westkreuzes an fast gleicher Stelle von den Planern untersucht sind. Ein Umstand, der eine fast komplette Verursacherhaftung der Altlast auf die öffentlichen Hände festschreibt und außerdem ausdrücklichen Anforderungen der anzuwendenden Autobahnrichtlinien (RA2008) widerspricht.

 

Fakt ist:

Mit unausgegorenen Scheinoptionen wird die Möglichkeit einer  Tieflage in Küppersteg („kleiner“ Tunnel) zwar vorgetäuscht, die Hochlage in den Antragsunterlagen aber baurechtlich ohne jeden Vorbehalt festgeschrieben. Um einem Missverständnis gleich vorzubeugen: die Stadt Leverkusen hat kein Klagerecht, weshalb Beteuerungen einer verweigerten Mitarbeit an der Bauausführung  gegenstandslos sind. Einzig wirksame Mittel zur Interessenwahrung der Bevölkerung und der Stadt sind kompetente Gegenvorschläge und geordnete Demonstrationen des Bürgerwillens, wie z. B. während der Anhörung. Der Versammlungsleitung der Bezirksregierung gebührt in dieser Hinsicht Respekt und Anerkennung.

 

Fakt ist:

Die am 18.01.2016 vorgestellte „Machbarkeitstudie“ ist eine Scheinoption der Offenhaltung einer Tieflage in Küppersteg. Die asymmetrisch gewählten Tunnelquerschnitte sind für Ingenieure sofort erkennbar so konstruiert, dass im Bauzustand ein nicht genehmigungsfähiger Gegenverkehr sofort zum Ausschluss  führt.

 

Fakt ist:

Am 05.07.2016 präsentieren die Planer erstmals öffentlich eine weitere Scheinoption zur Tieflage im Ortsteil Küppersteg in ihren Stellungnahmen zu Einwendern. Nämlich eine provisorische Verlegung der B8 während der Bauzeit im Kreuzungsbereich mit der A1 und deren Höherlegung um ca. 3m im Endzustand, sowie bis heute noch verschwiegen, aber unter Anwendung der Autobahnrichtlinie RA2008 nachgewiesen, eine Höherlegung der DB-Strecke um ca. 1m und als versteckter Killer noch eine  unnötige Vollsperrung der Bismarckstrasse über Jahre. Wohlgemerkt das alles dargestellt in wenigen mageren  Sätzen ohne zeichnerischen Nachweis in Grund- und Aufriss und ohne jedes  Konzept einer innerstädtischen Verkehrsregelung, auf die bei anderen Gelegenheiten von den Planern immer mit Nachdruck hingewiesen wird, und  ohne Hinweis auf eine Absprache mit der Bundesbahn.

 

Fakt ist:

Die am 30.04.2015 endgültig beschlossene Vorzugsvariante erster Bauabschnitt wurde meines Erachtens ohne zu diesem Zeitpunkt ausreichend verfügbare technische Untersuchungen und Unterlagen zum Bodenaufschluss über der Deponie und zum Erhaltungszustand des Westkreuzes  festgeschrieben, nachdem eine intransparente Entscheidung schon viel  früher gefallen ist wie auch den Äußerungen der Antragstellerin zu entnehmen war.

 

Die hier nur kurz vorgestellten Sachverhalte erläutern die von mehreren Betroffenen im Anhörungsverfahren eingebrachten vier Anträge (siehe Anlage 1!), erweitert um einen fünften Antrag, der während der Anhörung protokolliert wurde und der Vollständigkeit halber hier als Gedächtniswiedergabe angefügt ist.

 

Mit freundlichen Grüßen

Lutz v. Waldowski

Marienstr.1, 04509-Delitzsch, Tel.: 034202 347557

 

 

Anlage 1:

Anträge 1-4 zum Erörterungstermin Planfeststellung BAB A1 erster Bauabschnitt vom 04. bis zum 08.7.2016 in Köln-Mülheim, ergänzt um den mündlich vom Unterzeichner am 06.07.2016 begründeten und vom Vorsitzenden der Anhörung protokollierten fünften Antrag.

 

 


nach dem VwVfG mit der Bitte um Protokollierung:
„Planfeststellungsverfahren BAB A1 von AS Köln-Niehl bis AK Leverkusen-West und Neubau Rheinbrücke Leverkusen“ vom 04.07. bis 08.07.2016 in Köln-Mülheim
Ordnungsnummer der BR: P224 Andreas Hollstein, Einwendung vom 14.01.2016
P269 Andreas Hollstein, Einwendung vom 18.01.2016

Antragsteller: P230 (Lutz von Waldowski), namens Unterzeichner P224-P231 (ohne P227), P7
P268 (Lutz von Waldowski), namens Mitunterzeichner A. Hollstein P269

Sehr geehrte Frau/Herr Vorsitzende/r,
die Antragsteller befürworten die Planfeststellung von AS Köln-Niehl bis einschließlich der neuen unterstromseitigen Rheinbrücke (nördlich der Bestandsbrücke) und wünschen eine schnelle Realisierung. Die Anträge beziehen sich ausschließlich auf den Streckenabschnitt sog. Hochstraße „A“ und Deponie bis zur Kreuzung mit der B8 (Km 404+714.000) und stellen definitiv keine Behinderung eines schnellen Brückenersatzes dar.

Antrag 1/230/268: Alternativtrasse Deponie ohne Totalabriss Westkreuz

Die vertiefte Untersuchung einer alternativen Linienführung über die Deponie ohne den Totalabriss und Wiederaufbau AK Leverkusen-West ist nach RE2012 Punkt 2.1.1 Projektabstimmung 1 Variantensuche zwingend geboten. Vorgeschlagen wird eine Kombination Rheinbrücke nördlich und Deponietrasse südlich der Bestandstrasse. Die Einwender ersuchen die Anhörungsbehörde um einen Ergänzungsbeschluss.
Begründung:
Für durch Ingenieurbauwerke (hier Kreuz West) „besonders kostenintensive Linienführungen“ sollen Alternativen mit Übersichtsunterlagen diskutiert werden. Die vertieft untersuchten drei Nordvarianten erfüllen diese Forderung nicht, da allein der Totalabriss des Westkreuzes alle Nordtrassen einschließlich der Vorzugstrasse um mindesten 180Mio.€ verteuert. Zuzüglich entstehen Kosten für Mehrmassen kontaminiertes Deponiematerial, weil alle Nordtrassen, einschließlich der Vorzugstrasse, durch die höchsten Deponiebereiche mit größtmöglichem Eingriff in die Deponie gelegt sind.
Die Antragsteller bestätigen, dass für den Erhaltungszustand des Westkreuzes und die zu erwartende Nutzungsdauer kein unabhängiges Gutachten in Auftrag gegeben wurde. Die nach DIN 1076 erfolgten Routineprüfungen und Nachrechnungen belegen eindeutig, dass z.Z. keine Nutzungseinschränkungen bestehen. Der Hinweis auf die Gefährdung der Spannbetonbrücken des Westkreuzes durch Spannungsrisskorrosion soll eine „mittelfristige“ Erneuerung begründen, wobei dieser dehnbare Begriff „mittelfristig“ nicht konkret belegt wird. Dann wäre auch schon vor dem geplanten Abriss ab etwa dem Jahr 2019 Gefahr im Verzug und sofortiges Handeln geboten, aber nichts passiert. Außerdem besteht das Westkreuz nicht nur aus Spannbetonbrücken, sondern auch aus Erdbau-Verkehrsflächen. Der alleinige Einbau von Spannungsriss gefährdeten Spannstählen reicht nicht aus, sonst müssten unzählige Spannbetonbauwerke erneuert werden. Voraussetzung für eine Gefährdung ist ein spezifisches Angriffsmittel und wesentliche Mängel beim Verpressen der Spannkanäle, was bei einer Standzeit von ca. 40 Jahren und regelmäßigen Kontrollen auszuschließen ist. Aufschluss gibt nur ein Gutachten, das sich weitgehend zerstörungsfreier Untersuchungen bedienen kann. Die Antragsteller hatten offensichtlich kein Interesse an einer Gutachtenbeauftragung. Der Verdacht, einer Übertragung der Verursacherhaftung auf öffentliche Hände ist u.E. nicht völlig auszuschließen, solange die Deponie-Vertragswerke unter Verschluss liegen, entgegen dem öffentlichen Interesse der Gesundheitsgefährdung Tausender Menschen.

Der Abschlussbericht Büro Björnsen vom Mai 1989 erläutert, dass festgestellte Chromgehalte ein Vielfaches über den Referenzwerten liegen, Gehalte an Blei, Arsen, Cadmium, PAK (polyzyklische aromatische Kohlenwasserstoffe) und Chlorbenzolen und –toluolen teilweise als sehr hoch einzustufen sind.
Wir ersuchen die Planfeststellungsbehörde dringend in ihre Abwägung, die von uns geforderte Alternativtrasse einzubeziehen, die allein schon wegen der hohen Risiken des Deponieeingriffes in Europas größte Giftmülldeponie ernsthaft in Betracht kommen muss.

Antrag 2/230/268: Offenhaltung Tieflage im 2.Abschnitt

Die Planfeststellung erfolgt in drei zeitversetzten Abschnitten 1-3. Es ist für Abschnitt 1 sicherzustellen, dass dessen Planung anderen auf die Gesamtplanung bezogenen vorzugswürdigen Varianten (hier: Tieflage im Abschnitt 2, Malteserkreuz AK-Mitte und Seitentunnel im Abschnitt 3) standhält und jeder Abschnitt für sich genommen eine eigene Verkehrsfunktion (BVerwG) hat. Das trifft für den Streckenabschnitt eins erweitert um Teile von Abschnitt zwei nicht zu. Die Einwender fordern Abhilfe durch Ergänzung der Planungsunterlagen um eine genehmigungsfähige Tieflagevariante im Streckenabschnitt ca. 404+714 bis 405+204.
Begründung:
Abschnitt 1 allein besitzt keine eigene Verkehrsfunktion, weshalb die Antragsteller richtigerweise ihre vorgelegte Planfeststellung ca. 490m überlappend in den 2.Abschnitt hinein verlängert haben. Auf diesen 490m wird in allen eingereichten Unterlagen eine Hochlage im 2.Abschnitt dargestellt und damit präjudiziert, weil diese Unterlagen ja Baurecht erlangen sollen. Es fehlt jeder baurechtlich relevante Hinweis resp. eine Darstellung zur Offenhaltung der Tieflage im Abschnitt zwei. Die Stellungnahme der Antragsteller zu Punkt 8 unseres Einspruches fasst zusammen: „Eine Tunnellage ist ohne Änderung des Bauwerkes „Hochstraße A“ möglich“. Das ist technisch falsch, weil es deutschem und europäischem Baurecht widerspricht, eine kontinentale Autobahn der Verkehrswegekategorie AS0 (siehe Erläuterungsbericht Unterpunkt 1.2 auf Seite 13) mit zugehöriger Entwurfsklasse EKA 1A auf einem kurzen Streckenabschnitt (ca. 700m) auf eine überregionale Autobahn der Entwurfsklasse EKA 1B herabzustufen. Die von den Antragstellern anhand der Streckenparameter vorgestellte inhomogene Streckencharakteristik ist nicht genehmigungsfähig (Autobahnrichtlinie RAA2008). Das gilt auch für die in der Machbarkeitsstudie der Antragsteller am 18.01.2016 mündlich vorgestellten Tunnelvarianten T01 und T04 mit je zwei inneren vierstreifigen und zwei äußeren zweistreifigen Tunnelzellen. Im Bauzustand bei 6+0 Verkehr in einer zuerst hergestellten Tunnelhälfte ist der zwangsläufige Gegenverkehr in der vierstreifigen Zelle für Gefahrguttransporte nicht genehmigungsfähig. Die Möglichkeiten von richtlinienkonformen Gradienten einer Tieflage in Abschnitt zwei betreffen schon den Abschnitt eins und sind in P268 auf Anlage 1 (Autor Kraneis) technisch dargestellt. Leider liegt den Einwendern keine Stellungnahme zu P268 bis 01.07.2016 vor.

Antrag 3/230/268: Prüfung Bürgervorschlag „Kraneis/Waldowski“

Der Bürgervorschlag der Leverkusener Ingenieure Kraneis/Waldowski liegt in drei Erweiterungsstufen bis zum endgültigen Vorschlag einer ingenieurmäßigen, richtlinienkonformen, umweltschonenden, zukunftssicheren und schlüssigen Gesamtlösung aller drei Abschnitte seit Dezember 2013, April 2014 und Oktober 2014 den Bauministerien in Berlin und Düsseldorf und den Antragstellern mit Eingangsbestätigungen vor und bleibt bis heute ohne Erwähnung, ohne bekanntgegebene Prüfung und ohne Stellungnahme. Die Einwender bitten die Anhörungsbehörde um eine Entscheidung nach Rechtslage und nach dem Grundsatz von „Treu und Glauben“. Eine allgemeinverständliche Kurzfassung ist als Anlage A beigefügt.
Begründung:
Die Unterschlagung der von Herrn LMR Heinze, dem damaligen Projektleiter Jansen und in Publikationen (Bürgerzeitung Dialog) mündlich und schriftlich gegebenen Zusage einer Prüfung für fristgerecht eingereichte Bürgervorschläge widerspricht unseres Erachtens dem Gesetz zur Verbesserung der Öffentlichkeitsbeteiligung und Vereinheitlichung von Planfeststellungsverfahren (PIVereinhG 2013). Sowohl unsere in Antrag 1 und 2 dargelegten Einwände, als auch die vorgeschlagenen Tieflagen der BAB A1 und A3 bringen einer Vielzahl von Leverkusenern (ca. 40.000 betroffene Anwohner/innen) über Jahrzehnte spürbare Gesundheitsvorteile, verbessern das Stadtbild und die Lebensqualität der Bewohner. Sie gehören in deutschen wie auch europäischen Städten wie Berlin, Hamburg, Düsseldorf, Maastricht etc. zum Standard eines zeitgerechten Städtebaues.

Antrag 4/230/268: Geotechnische Ermittlungen und Deponiegründung

Die Vorzugsvariante wurde nicht nur vor dem Abstimmungstermin PA2 am 30.04.2014 von der Antragstellerin, Frau Elke Bisoke, als „gesetzt“ öffentlich gemacht, es konnten aus den Bohrungen der Kampagne 1 (17 Übersichtsbohrungen ab 17.02.2014 bis Mitte April) und wenigen Bohrungen der Kampagne 2 keine zuverlässigen Aussagen zu den Gründungsmassen und zum Gründungskonzept über der Deponie getroffen werden. Das unterstreicht die Forderung der Einwender unter Antrag 1 nach einer kostengünstigeren Vergleichstrasse nach heutigem Kenntnisstand. Die Einwender bitten um Einsichtnahme in die Protokolle des Abstimmungstermines PA2 und relevanter geotechnischer Gutachten.
Begründung:
Für die Festlegung der „Vorzugslinie Nord“ über die Deponie handelte es sich nach Stellungnahme der Antragsteller unter Punkt 6a bei der Ermittlung der kontaminierten Deponieentnahmen um „grobe Schätzungen“. Diese Sachlage ist nicht hinnehmbar angesichts der hochgiftigen Deponate unbekannter Lage, Art und Reaktion und ihrem Gefährdungspotential für zig- Tausende benachbarter Anwohner und täglich ca. 120.000 Autobahnnutzer direkt neben der Entnahmestelle.
Die Antragsteller gründen ihre „groben Schätzungen“ außerdem auf einer gegen die technischen Erdbauvorschriften verstoßenden Vorgehensweise einer minimalisierten sog. „schwimmenden Gründung“. Hierzu steht ebenfalls unter Punkt 6a der Stellungnahme: „Für die Strecke sind Polstergründungen vorgesehen, die die z.T. eingeschränkte Tragfähigkeit der Aufschüttungen berücksichtigt“. Die sog. „Polstergründung“ besteht aus einem 2m dicken verdichteten Bodenpolster nach einer Prinzipskizze Abb. 41 (Seite 153 der Erläuterungen) der Anschlussstelle Nordwestring Köln der EB8 vom 05.02.1968 aus dem Erdbaubüro Prof. Schmidbauer, Essen. Die verbindlichen Erdbauvorschriften verlangen ausschließlich ortsgebundene Baugrundgutachten und Untersuchungen nach dem Grundbau Regelwerk (ZTVE-StB 09). Die Einsichtnahme der Bohrergebnisse des Büros Prof. Dr.-Ing. Düllmann (vier Ordner über die 1. bis 4. Bohrkampagne vom 20.10.2015) im Umweltamt der Stadt Leverkusen am 06.01.2016 zeigte bei sehr vielen Rammkerndiagrammen, dass der vorhandene inhomogene Deponieuntergrund bis zum gewachsenen Boden in einer Tiefe bis zu ca.14m nicht standsicher ist. Er besteht aus lockeren Auffüllungen von: Schlacken, Asche, Müll, Bauschutt, unbekannten chem. Abfällen, Kunststoffen, organischen Abfällen, Klärschlamm, Holz, Metallfässern, Hohlräumen etc.. Wegen der Kampfmittelsituation scheiden auch mechanische Verfestigungsverfahren des Untergrundes aus. Die schwimmende Gründung ist deshalb mit allergrößter Wahrscheinlichkeit nur äußerst eingeschränkt und erst nach erfolgtem Bodenaufschluss bei Bauausführung anwendbar, weshalb ein wesentlich größerer Austausch von kontaminiertem Boden zu erwarten ist, geschätzt werden ca. über 300.000m³ bis 400.000m³ (Anlagen 2/4 zu P268/269, Autor Kraneis) mit einer Kostensteigerung von geschätzt mehr als 60Mio.€, anstelle der im Feststellungsantrag ermittelten 34.200m³ (Tabelle2 auf Seite47 für die Vorzugsvariante I.3).
Das Auswahlverfahren der Vorzugsvariante über die Deponie trägt nach den Stellungnahmen der Antragsteller in keiner Weise dem Gefährdungspotential und den Risiken der Öffnung einer Giftmülldeponie mit 6,5 Mio. t Inhalt Rechnung, die mit einem Aufwand von110 Mio. € versiegelt und derentwillen eine ganze Wohnblocksiedlung abgerissen wurde.
Beantragt im Namen der Unterzeichner P224-P231 (ohne P227), P7, P268/269

Andreas D. Hollstein Lutz v. Waldowski
Anlage A: Kurzfassung Gesamtvorschlag Neubauabschnitte 1-3 „Kraneis/Waldowski“ BAB A1/A3
23 Seiten Auszug aus Homepage: http://www.tunnel-bab-a1-a3-leverkusen.de
Der nachfolgende Antrag ist eine Gedächtnisniederschrift des Antragstellers mit seiner mündlichen Begründung vom 06.07.2016 im Anhörungsverfahren:

Antrag 5/230/268: geplante Polstergründung der Deponie
Die Erweiterungsflächen der BAB A1 außerhalb der Bestandsfahrbahn der Deponie auf den vorhandenen größtenteils lockeren Auffüllungen der Deponie (Nachweis z.B. RKS 264a vom 16.10.2014) sollen nach Darstellung der Antragsteller nach der Prinzipskizze Abb. 41 (Seite 153 – Erläuterung vom 05.02.1968, Erdbaulabor Schmidtbauer, Essen) „schwimmend“ als 2m dicke Polstergründung ausgeführt werden. Weil die Gültigkeit der Prinzipskizze für den tatsächlichen Standort von den Planern nicht nachgewiesen wurde, fordern die Einwender den Nachweis der Zulässigkeit durch die Auswertung von Probefeldern in Problembereichen der Deponie nach TB BF – SIB Teil Z3 als Voraussetzung einer zuverlässigen Trassenauswahl und Gründungsmethode.

Begründung und Anmerkung:
Die am 06.01.2016 im Umweltamt der Stadt Leverkusen von den Herren Kraneis/ Waldowski eingesehenen Bohrergebnisse des Geotechnischen Büros Prof. Dr.-Ing. Düllmann ergeben eindeutige und sehr viele Hinweise in vielen Diagrammen der Rammkernsondierungen (z.B. RKS 264a) auf eine äußerst inhomogene und setzungsempfindliche Altlastauffüllung außerhalb der Bestandstrasse. Der Hinweis der Planer, dass eine bis mehrere Meter hohe Überdeckung eine Vorbelastung darstellt, eine neuartige Walzentechnik etwa 1-2m Tiefenwirkung erzielt und ein 2m dickes lastverteilendes verdichtetes Polster zur Ausführung kommt sind ohne definitiven Nachweis vor Ort reine Annahmen, die dem hohen Gefährdungspotential der Deponie nicht gerecht werden. Auch der Verweis der Planer auf eingeplante erhöhte Wartungskosten für Nachbesserungen ist ungeeignet zum Nachweis der Standsicherheit. Am angeblichen Ort der Prinzipskizze von 1968 sind erhebliche Wellenbildungen der Fahrbahn und Hinweise auf mehrfache Nachbesserungen feststellbar, wobei keine Auskunft vorliegt, ob die Untergrundverhältnisse dort überhaupt vergleichbar mit denen der jetzigen Trasse sind.
Die Einwender fordern daher, dass auf problematisch erkannten Deponiebereichen Probefelder nach ZTV E-StB und TL BuB E-StB 09 angelegt und mit Eignungsprüfungen die Tragfähigkeit mit Hilfe von Plattendruckgeräten auf OK Planum und OK Tragschicht festgestellt wird. Nur so sind zuverlässige Aussagen über das Aushubvolumen, die erforderlichen Kosten, Gefährdungen aus Giftmüll für die Anwohner und Autobahnnutzer, sowie der Zeitaufwand der Baumaßnahme in der jetzigen Planungsphase zu erhalten.

Lutz v. Waldowki

Bemerkung:
Die Anlage „A“ wird nicht beigefügt, weil diese jederzeit auf meiner Homepage
http://www.tunnel-bab-a1-a3-leverkusen.de
abrufbar ist.