Wie versprochen hier die nächste Antwort auf die Fragen von Andrea Kittel: 
Mich beschäftigt immer noch, dass nur jede 1.000 Tonne Aushub kontrolliert werden soll. Ich frage mich, anhand welcher Kriterien auf der Baustelle direkt entschieden wird, welcher Container verwendet wird. Eigentlich müsste doch alles in fest verschlossene Container oder?

Antwort

Dazu ist es notwendig zu wissen, mit welchen Mengen man zu rechnen hat, denn diese variieren – wie im Folgenden dargestellt wird – gewaltig.
Für Straßen.NRW war die Menge des zu entsorgenden verseuchten Bodens bei der Variantenauswahl besonders wichtig – wenn nicht entscheidend. Man entschied sich (vergl. Planfeststellungsbeschluss 10.11.2016) für die Variante 1.3 mit insgesamt 34 000 m³ anfallenden Deponats. Ca. 13 000 m³ Deponat machten damals für die Planer den Unterschied zu Variante 1.5 (in bestehender Lage) aus um sich für die Vorzugsvariante 1.3 (nördlich überlappend) zu entscheiden.

Diese Angaben im Planfeststellungsbeschluss waren von Anfang an eine Täuschung, denn die Entwurfsplanung (Abschätzung Aushubmassen, Unterlage 20.1, Anlage 1.2) vom 17.04.2015 gibt schon folgende „entlarvende“ Auskunft:

Überbau: 116.220 m³ = Rekultivierungsboden und Dränschicht auf Dichtungssystem aufgetragener Boden
Dichtungssystem. 24.695 m³ = oberhalb der Dichtungsfolie
Abfall/Deponat: 87.820 m³ = Kontaminierter Abfall
Aushub Summe: 228.735 m³

Man wusste also schon vor dem Planfeststellungsbeschluss, dass die im Planfeststellungsbeschluss angegebene Menge des zu entsorgenden belasteten Aushubs mindestens drei Mal so hoch sein wird. Experten gehen – glaubhaft- sogar von mindestens 400 000 bis 500 000 m³ aus.

Dies liegt auch an fehlerhaften Angaben zum Aushub „Dhünnaue Nord“: In der Dhünnaue Nord müssen die Brückenfundamente für das Westkreuz bis auf das anstehende Gestein ausgehoben werden. Im Planfeststellungsbeschluss wurde der wahrscheinliche Aushub mit 8700 m³ angegeben. Die Ausschreibungsplanung vom 29.06.2017 geht nun allerdings von der dreifachen Menge – nämlich von 27.900 m³ aus.

Die Dhünnaue Nord wurde ca. 20 Meter hoch aufgeschüttet. In „Nord“ wurde die Höhe u.a. auch durch Auf- und Umlagerungen von ausgehobenem Deponat – Aushub A1 und A59 in den 60iger Jahren und Deponat aus der Sanierung des Rheinvorlands – erreicht. Sie gilt als besonders toxisch, denn hier kommen die Abfälle der organischen Chemie aus der Nachkriegsproduktion (z.B. Benzol, Toluol, Xylol, Dioxine, Furane und PCB) in wesentlich größeren Mengen vor.

Warum hat man mit dem Volumen des anfallenden giftigen Aushubs so „fehlerhaft jongliert“?

Das hatte wohl nur einen Grund: Man wollte auf jeden Fall die Baugenehmigung für die Vorzugsvariante „Nord“ erhalten.

Die Verantwortung für die Dhünnaue Nord und somit auch für die Entsorgung des giftigen Aushubs, ist nun vom Verursacher auf die Allgemeinheit – also auf uns alle – übergegangen.

Ein Schelm, der Böses dabei denkt! 😉

In der nächsten „Folge“: Klassifizierung und Transport.